Unzumutbare Unterschriften

Unzumutbare Unterschriften

Es gibt Momenten im Leben eines Zeitungslesers, bei denen man glatt an seinen Frühstückstee erstickt oder Tee aus der Tasse verschüttet. An viele Katastrophen ist man bereits gewohnt. Immer wieder in Erstaunen versetzt mich aber, wie wenig Feingefühl einige Lokalredakteure haben. In der heutigen Ausgabe der Neuen Westfälischen wurde eine ganze Seite einem Bildband über den Bau und die Geschichte der Universität Bielefeld gewidmet. Auch wenn das Ganze nach einer Vermischung von redaktionellem Teil und Werbung schmeckt, so hat das auch seine Berechtigung in der Zeitung. Was aber völlig fehl am Platz ist, ist eine Bildunterschrift zu einem Bild der damaligen Großbaustelle:

Die Kräne-Parade: Wie ein düsteres Bild von Ground Zero mutet dies Aufnahme vom Gelände der Baustelle der Universität Bielefeld aus der ersten Hälfte der 70er-Jahre an.

Auch für einen Redakteur gilt: Erst Nachdenken, dann schreiben. Wer solche Vergleiche anstellt, beweist, dass ihm jegliches Feingefühl abhanden gekommen ist – wenn es denn je vorhanden war. Andere mussten schon für wesentlich weniger von ihrem Posten zurücktreten. Ein Solcher Vergleich im Anbetracht der Anzahl der Todesopfer ist ein Schlag in das Gesicht der Überlebenden und Angehörigen des Terroranschlages in New York.
Ähnlich geschmacklos und rücksichtslos wäre es, die Hitze in der Backstube mit der im Krematorium zu vergleichen. Oder eine von einem Pyjama zu schreiben, er hätte ein Muster wie die Kleidung der KZ-Häftlinge. Mit solchen Vergleichen verhält man sich wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Wobei dieser weniger Schaden anrichtet.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren