Talkshows & Kopftücher

Talkshows & Kopftücher

Die Zeit, die ich in den letzten Monaten mit dem Sehen von Fernsehsendungen verbracht habe, beläuft sich auf eine überschaubare Minutenanzahl. Eigentlich müsste ich mal bei der GEZ und bei ish nachfrage, ob es für Wenigseher Rabat gibt.

Der Fernseher bei uns zu Hause wird hauptsächlich für den DVD-Player und die PS2 verwendet. Er ist aber noch nicht darauf dressiert, beim Einschalten sofort auf das Bildsignal der PS2 zu wechseln. So kommt es, dass man immer wieder mal ein Bisschen vom normalen Fernsehprogramm mitbekommt, bevor man umschaltet. Heute Abend bin ich bei der Sendung „Berlin Mitte“ mit der Moderatorin Maybritt Illner hängen geblieben. Thema der Sendung war das „Kopftuchurteil“ des Bundesverfassungsgerichts. Bis zu Ende habe ich die Sendung nicht verfolgt, da mein Bedarf an dieser Form von Informationsaufnahme recht schnell gesättigt war. Ich bevorzuge doch eher Zeitungen und Zeitschriften wie die Süddeutsche und die Zeit. Das liegt vor allem daran, dass in Talkshows die Tendenz besteht, Leute nicht ausreden zu lassen und ihnen ins Wort zu fallen. Nach einem guten Einstige in das Thema mit dem Wortbeitrag von der SPD-Bundestagsabgeordneten Lale Akgün, der für mich der eigentliche Anlass war, nicht sofort umzuschalten, war für mich eigentlich auch schon alles gesagt – rückblickend gesehen. Frau Akgün vertrat die Meinung, das die Gesellschaft die Aufgabe habe, Muslime in die Mitte der Gesellschaft zu holen, die sich „zu sehr in ihr Ghetto zurückziehen wollen“. Sie lehnet das Kopftuch in der Schule mit guten Argumente ab. Unter anderem auch, weil es die Frau nur auf ihre Reize reduziert – wogegen das Kopftuch dann ja schützen soll.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein von der CSU wirkt dagegen mit seiner Argumentation, in der er auch das Kruzifix-Urteil mit einbezog, sehr schwach und vor allem auch langweilig.

Auf die Palme gebracht hat mich allerdings der Beitrag von Alice Schwarzer. Das liegt nicht an ihr oder ihrer Position, der zustimmen kann – sie sagte, dass das „Kopftuch kein Zeichen der Religion sei“, sondern es gehe dabei um Politik und „stehe für den Anspruch, den Gottesstaat einzuführen“.
Gestört hat mich, dass von Anfang ihres Beitrag an versucht wurde, sie mit aller Gewalt zu unterbrechen. Man konnte deutlich spüren, dass Maybritt Illner sehr starke Aversionen gegenüber Frau Schwarzer hatte. In einer politischen Talkshow sind solche persönlichen Einstellungen zu Talkgästen allerdings fehl am Platz. Mir hätte es deutlich besser gefallen, wenn man Alice Schwarzer hätte in Ruhe ausreden lassen.

Beim Beitrag von Nadeem Elyas, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime habe ich dann umgeschaltet. Seine Position, dass das Kopftuch „eine religiöse Pflicht“ sei, wurde schon x-Mal von Islamwissenschaftlern widerlegt.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren