Zu spät zu früh kommen

Wenn das Leben nach einem gewissen Rhythmus abläuft, hat dass an sich etwas beruhigendes. Besonders wenn man morgens noch ziemlich müde ist, helfen vertraute Abläufe dabei, einigermaßen wohlbehalten zur Arbeit zu kommen. Eine sehr wichtige Rolle dabei spielen die öffentlichen Verkehrsmittel, auf deren Pünktlichkeit man sich verlassen muss. Kommt nur ein Teil davon zu spät, bricht die ganze Transportkette wie ein Dominospiel zusammen.

Als Pendler achtet man darauf, selber möglichst rechtzeitig an der Haltestelle oder am Bahnhof zu sein. Wobei „möglichst rechtzeitig” eigentlich bedeutet, dass man viel früher da ist als eigentlich notwendig. Wenn man Pech hat – also im Herbst wieder verstärkt -, muss man auf Grund einer Verspätung ( „…bitten wir um Ihr Verständnis”…) warten. Bei abnehmender Temperatur ist das dann so richtig erfreulich.

Eine neue Varianten durfte ich heute kennen lernen. Noch etwa 300 Meter von der Stadtbahnhaltestelle entfernt, sah ich diese bereits ankommen. Im Dauerlauf überbrückte ich die letzten Meter und stand dann völlig außer Atem vor einer Tür, die nicht mehr aufging. Ganz vorne an der Bahn stieg noch ein Fahrgast ein, so dass ich noch eine Chance hatte. Glücklicherweise wartete der Fahrer dann auch noch auf mich. Endgültig erledigt durch den unerwarteten Frühsport ließ ich mich dann auf den Sitz fallen – bis mir dann langsam klar wurde, dass es nicht die Bahn war, die ich üblicherweise nehme, sondern die verspätet Bahn in die gleiche Richtung, die schon längst hätte weg sein müssen. Zur Belohnung durfte ich dann am Bahnhof noch länger als sonst warten.