Qualität und Quantität

Anlässlich der Popkomm, die dieses Jahr zum letzten Mal in Köln stattfindet, führte die Süddeutsche Zeitung ein Interview mit Universal-Chef Tim Renner.

Im Zusammenhang mit „Phonoline“, einem Internet-Dienst für legale, zu bezahlende Musik-Downloads, ging es auch um die Ursachen für den zunehmenden Umsatzrückgang und die ständig steigende Zahl der illegalen Downloads:

SZ: Ist am Ende vielleicht doch die Qualität der Musik das
Hauptproblem der Branche?

Renner: Es ist noch nie so viel Musik kopiert worden wie heute,
nicht mal in den seligen Zeiten der Audiokassette. Das spricht doch
dafür, dass unser Angebot richtig zu sein scheint.

Die Aussage von Renner scheint symptomatisch für die Musikindustrie zu sein. For den wahren Ursachen für den Umsatzeinbruch werden die Augen verschlossen.
Ich denke, die Frage von Dirk Peitz, der für die SZ das Interview führte, zeigt die Richtung an, aus der die wahren Ursachen kommen. Im Verlauf der letzten Jahre ist die Qualität der Musik gleich geblieben. Gleichzeitig ist jedoch die Quantität gestiegen. Konkret bedeutet das, dass man die wirklich hörenswerten Stücke aus einer zunehmenden Flut von mäßigen bis schlechten Songs heraussuchen muss. Diese Suche wird erschwert durch die gleichgespülten Spiellisten angeblich unterschiedlicher Radiosender.

Parallel dazu steht die Preisentwicklung der Audio-CD. Diese ist seit ihrer Einführung nicht günstiger, sondern im Gegenteil noch teuerer geworden. Das ursprüngliche Versprechen, mit der CD wir Musik billiger, bezieht sich demnach nur auf den Inhalt, nicht auf den Preis.

Um aus der Misere heraus zu kommen, sollten nicht die Konsumenten kriminalisiert werden. Ein gangbarer Weg wäre statt dessen die Senkung des Verkaufspreises und ein Verzicht auf „Superstars“ und andere Stümper.